Teil I v. III) Ich packe meine Tasche und nehme mit: Die optimale Packliste für die zivilisierte Fahrradtagestour!

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Es ist Wochenende. Das Fahrrad wurde die gesamte letzte Woche nicht bewegt. Höchste Zeit für eine Tagestour! Doch, was muss mit? Was kann daheim bleiben und würde ohnehin nur Platz wegnehmen? Antworten auf diese Fragen soll unsere Packliste für die Fahrradtagestour liefern. Hierbei hangeln wir uns an den jeweiligen Tageszeiten entlang. Zudem geht es heute um „zivilisierte“ Touren. Das bedeutet, wir haben Zugang zu Supermarkt und/oder Gaststätte und haben nicht vor selbst zu kochen. Am Ende findet Ihr die Packliste nochmal im handlichen PDF Format und nach Themengebieten sortiert. Entsprechende Taschen mit variablen Füllmengen findet Ihr im Shop!

7:00 Uhr – Kleidung und Wärme

Natürlich wollen wir früh aufbrechen und die ersten Sonnenstrahlen mitnehmen. Es regnet? Egal, wir wollen los. Da es ein wenig nieselt ziehen wir uns ne Regenschicht drüber. Atmungsaktiv muss sie sein. Wir wollen, dass es im Inneren ausgast, das Regenwasser jedoch abgehalten wird und wir letztlich warm bleiben bzw. die Kerntemperatur ohne Probleme halten können.

Wir haben die Qual der Wahl und können unter mannigfaltigen „ePTFE-Kleidungsprodukten“ wählen. Der bekannteste Ableger, atmungsaktiver Textilprodukte dürfte zweifelsohne Goretex sein. Daneben gibt es aber auch noch NeoShell, Hyvent (North-Face), eVent und viele weitere Marken im Bereich atmungsaktiver Stoffe. Wir haben vermutlich sogar schon was passendes aus dieser Range am Kleiderbügel baumeln und ziehens über.

Bei der Wahl einer Hose können wir grundsätzlich den gleichen Hintergedanken verfolgen: Prinzipiell ist Atmungsaktivität schön. Ein Geheimtipp ist jedoch die „Surplus Outdoor Trousers Quickdry“. Diese ist nicht wasserdicht, trocknet -wie der Name bereits vermuten lässt- aber erstaunlich schnell. Sie ist nicht eng anliegend, sondern sogar Recht luftig, weshalb es sich empfiehlt die Hosenbeine vor dem Kettenblatt zu schützen. *Werbung ein* Zum Beispiel mit unserem Hosenband! Zu finden im Shop. *Werbung aus* Ein weiterer Vorteil ist, dass diese unkompliziert in eine kurze Hose verwandelt werden kann und zudem unter 30€ kostet.

Jetzt noch Unterwäsche aus Polyester oder Merino und schon sind wir Kleidungstechnisch gut aufgestellt. Als Schicht zwischen Unterwäsche und (Goretex-)Jacke eignet sich zum Beispiel ein Fleecepullover. Aber auch andere Kleidungsstücke aus Polyester sind gut. Wird es uns zu warm, ziehen wir eine Schicht aus. Ist es hingegen kalt, nehmen wir je nach Kältegrad noch ne Mütze und ein paar gefütterte Handschuhe mit. Wobei sich Fahrradhandschuhe immer gut machen! Huch, kurz zuvor hat’s aufgehört zu regnen und die Sonne bricht wieder aus den Wolken hervor. Schee, wir packen die Regenschicht trotzdem ein. Man weiß ja nie.

Wir wissen natürlich ganz genau wo wir hin wollen! …Ähm, nein. Gut, dann packen wir die Karte mit einer grob vorgezeichneten Route ein. Optional noch einen Kompass, je nach Qualität der Beschilderung. Alternativ stecken wir das Smartphone ans Fahrrad und nutzen eine elektronische Routinglösung. Mehr zu digitalen Karten und „Fahrradnavigation“ hier!

9:00 – Zeit für ne Vesper

Nach zwei Stunden schon ne Pause? Ja, spinn ich? Hey, wir haben ne Woche nicht gefahren. Passt, scho. Ausserdem schaut’s hier gerade so gemütlich aus. Wir haben daheim ein wenig Verpflegung eingesteckt (und seit den Hobbits wissen wir, dass das zweite Frühstück längst nichts ungewöhnliches mehr darstellt). Wir essen Apfel, Banane oder Müsliriegel und sind im Grunde froh, was dabei zu haben. Ausserdem ist dieser Ort so schön, da können wir auch das eine oder andere Foto machen. Den Fotoapparat haben wir, wie sämtliche Elektronik nochmal in einem Platikbeutel verpackt und erst dann verstaut. Safety first. Hervorragend geeignet zum Verpacken sind Ziehverschlussbeutel, die wir uns zuvor im Supermarkt mitgenommen haben.

Trinkwasser ist -wo wir schon beim Thema Essen und Trinken sind- ein essentieller Punkt und wir sollten immer darauf bedacht sein, hydriert zu bleiben! Die Urinskala (…) hat vermutlich jeder schonmal gesehen, weshalb wir anpeilen sollten, nicht in den dunkelgelben Bereich zu fallen. Erreichen tun wir das, indem wir in regelmäßigen Abständen genügend Trinkwasser oder ein Äquivalent zu uns nehmen. Drei Liter über den Tag verteilt ist ein guter Richtwert, sofern wir relativ gemütlich fahren.

Dies bedeutet für uns: Wir packen uns ne handliche Literflasche in die Getränkehalterung. Gute Positionen für Getränkehalterungen sind unterhalb des Unterrohrs oder auch an der Gabel. So könnten wir unproblematisch sogar gleich drei Liter H²O mitführen. Ebenso können wir ne Flasche im BOB unterbringen! Dann sind sogar nochmal ein paar Liter mehr drin. Für ne Tagestour in der Zivilisation reicht aber auch die Literflasche. Ist diese leer füllen wir diese im Supermarkt (der Geldbeutel ist natürlich sicher z.B. innerhalb der gut organisierten ITEMBAG verstaut) oder bei einem netten Anwohner wieder auf. Auch öffentliche Wasserstellen füllen die Flasche unproblematisch wieder auf. Wie immer gilt: Vorsicht, bei Wildbächen walten zu lassen. Wir Wissen im Zweifel nicht, was im oberen Bachlauf geschehen ist und wie unser Magen darauf reagiert. Wenn kein Wassermangel vorherrscht gibt es keinen Grund hier Wasser zu entnehmen.

Tipp: Die Trinkwasser App (für iOS und Android) führt Euch zu öffentlich zugänglichen Wasserentnahmestellen, mit dem besten Trinkwasser der Region. Die Entnahmestelle wird Euch auf einer Karte angezeigt und Ihr erhaltet eine Info zur Wasserquelle. Das liest sich dann in-App z.B. so:

Am Ilmtal-Radwanderweg, der an der Quelle der Ilm südlich von Ilmenau beginnt und bei Großheringen (Mündung der Ilm in die Saale) auf den Saale-Radwanderweg trifft, befindet sich bei Stedten/Ilm ein Rastplatz mit geschützter Sitzgruppe und Trinkwasserzapfstelle.

12:00 bis 13:00 Uhr – Mittagszeit und die erste richtige Mahlzeit

Wir verbrauchen beim Strampeln ein paar mehr Kalorien, die wir nun wieder auffüllen können. Hierbei ist zu beachten, dass wir danach vermutlich

a) keinen ausgedehnten Mittagsschlaf werden machen können, sondern
b) uns sogar gleich wieder auf unser Bike schwingen werden.

Das kann durchaus etwas Mehrbelastung mit sich bringen, andererseits sind wir hier nicht, um den nächsten Rekord in Alpinstrecke XY aufzustellen. Deshalb kann man es sicherlich etwas ruhiger angehen lassen. Und bei der Mahlzeit achten wir deshalb -wie immer- lediglich auf die ungefähr richtige Mischung aus Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) hat hierfür etwa die „50-30-20“-Regel konzipiert. Demnach sollten wir unseren Energiebedarf zu 50% durch Kohlenhydrate decken, durch 30% Fett und durch 20% Eiweiß. Wobei wir bei körperlicher Anstrengung auch mehr Kohlenhydrate zu uns nehmen können, die uns schnell als Energielieferant zur Verfügung stehen.

Tipp: Ein paar Erdnussbutter Sandwiches können ne gesamte Mahlzeit ersetzen und versorgen uns mit reichlich Energie. Brot hat massig Kohlenhydrate und Erdnussbutter reichlich Fett und Eiweiß. Letztlich ist aber alles gut, was Energie in den Körper liefert. Wir könnten auch der Bear Grylls Methode folgen. (Wenn wir genügend Larven finden würden, versteht sich.) Ein paar Bananen? Klar. Schokoriegel. Auch cool. Am Ende des Tages wollen wir die verbrauchten Kalorien deckeln und das sind nicht wenig. Je nach Strecke und Tempo fängt’s bei rund 2.500-3.000+(++) Kalorien an! Anderseits wollen wir ja nicht die ganze Zeit damit zubringen, am Wegesrand zu futtern, weshalb wir versuchen diesen Kalorienbedarf durch drei Mahlzeiten (zwei Zwischenmahlzeiten und ne Hauptmahlzeit) zu decken. Andererseits können natürlich auch mehr Zwischenstationen eingeplant werden. Vier, fünf? Wie man will und lustig ist und wie es die Strecke vorgibt.

14:00 – Blöde Panne

Wir sitzen grad wieder auf dem Fahrrad da merken wir, dass sich ein besoders böses Exemplar von Steinsplitter in unseren Reifen festgesetzt hat. Wer Tubeless fährt kann vermutlich sogar -nach Entnahme des Splitters- weiterfahren. Wer auf den guten, alten Fahrradschlauch setzt muss tauschen oder flicken. Bei einer Tagestour will man jedoch Kilometer machen und den Tag nutzen, aber bestimmt nicht anfangen den Schlauch zu wechseln. Ausserdem haben wir das große Werkzeugkit eh daheim gelassen und könnten nichtmal wechseln, selbst wenn wir wollten. Stattdessen haben wir Pannenspray dabei und natürlich ne Luftpumpe.

Tipp: Ein besonders empfehlenswertes Pannenspray ist Zefal (bzw. Zefal Sealant Spray). Dieses wurde zwar zum Dichtmachen von Tubeless Reifen entwickelt funktioniert aber auch, um kleinere Blessuren im Schlauch zu nullen. Das Spray wird auf das Ventil geschnallt und eingesprüht. Grundsätzlich rollt das Zeug dann im Schlauch rum, weshalb es auch zukünftige Blessuren ausgleicht. Wir sparen Pack-Gewicht und kurzfrisitg Mühe. Das obligatorisch vorhandene Multitool können wir zurücklegen. Neben Pumpe und Pannenspray ist es ratsam ein Ersatzschaltauge mit zu nehmen. Dies ist vermutlich sogar eines der wichtigsten Ersatzteile! .. Wirklich. Zudem nimmt es keinen Platz weg. Ersatzspeichen braucht’s für den kleinen Trip hingegen eher nicht. Ein wenig Panzertape sowie Kabelbinder können im Notfall aber Gold wert sein und gehören unbedingt mit an Bord. Übrigens muss man keine komplette Rolle Panzertape mitführen, sondern vielleicht ein/zwei (z.B. auf einen Stift gerollte) Meter. Zudem ist das Mitführen einer Schere oder eines Taschenmessers ratsam.

Da wir uns bei der Panne nicht hingelegt haben, braucht’s zum Glück nichts aus dem „Erste Hilfe Kit“. Da wir nicht gänzlich ab vom Schuss fahren ist dieses garnicht mal so prall gefüllt und so brauchen wir vor allem kurzfristige Lösungen. Wichtig sind vor allem ne sterile Wundauflage, eine Mulbinde und ein/zwei Streifen Pflaster.

15:00 Uhr – „Teatime“

Wir sind auf der Heimfahrt, machen aber vielleicht noch ne Rast. Ein weiteres schönes Stückchen Erde liegt vor uns. Wir sorgen nochmal dafür, dass unser Wasserhaushalt im Lot ist, mampfen noch nen Keks, Schoko- oder Müsliriegel und sind wieder auf dem Weg. Es hat wieder angefangen zu regnen. Da es glücklicherweise kein schlechtes Wetter gibt, ziehen wir uns zuletzt doch die Regenjacke über und sorgen für Beleuchtung. Wir wollen etwas sehen und wollen von anderen gesehen werden. Wir schnallen die Lichter dran und rollen weiter. Moment, wird’s plötzlich neblig? Nope, die Brille beschlägt. Hätten wir zuvor Glasversiegelung mit Lotuseffekt aufgetragen wär uns nichts aufgefallen, so schrubben wir die Brille immer mal wieder trocken. Wenigstens haben wir Einweg-Brillenputztücher dabei. Davon haben wir uns drei/vier eingepackt. Nimmt keinen Platz weg und hilft. Notfalls haben wir immer noch ein/zwei Packungen Tempos dabei.

18:00 Uhr – Daheim, daheim.

Das Handy haben wir garnicht gebraucht und hätten’s auch zuhause liegen lassen können. Andererseits hätte die Panne ja auch etwas mehr Aufwand erfordern können und die Freundin soll sich ja keine Sorgen machen. Deswegen hatten wir’s im Elektroniksäckel drin stecken. Ebenso enthalten waren ein par Ersatzbatterien für das Licht.

Das war’s hierzu. Passende Taschen findet Ihr im Shop und hier noch die thematisch organisierte PDF Checkliste für Tagesfahrradtouren durch zivilisierte Gegenden. In nächster Zeit folgen noch Checklistes für Wochenendtrips sowie längere Touren. Schaut also hier und im Shop vorbei!