BURGFYR Fahrrad Reisebericht SCT: 600 km durch Schwedens Süden Teil III

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Vorwort: Mein Biketrip durch Schweden ist Routentechnisch relativ ungeplant. Die grobe Route ist definiert, wird aber tagesaktuell -nach List und Laune- nochmal angepasst. Zur Navigation dient mir Orux Maps. Strom liefert mir ein Nabendynamo sowie ein Akkupack, der hieran angeschlossen wird. Ist dieser voll aufgeladen, lade ich direkt mein Smartphone am Akkulader. Mein Fahrrad ist ausgestattet mit zwei BOBs, einer SLOTBAG Custom Build, einer FENDER sowie zwei Prototypen. (Mehr zu Ausrüstung und Equipment, hier.)

»Hier gehts zu Teil II

Gestern Abend bin ich noch einmal die Route für den heutigen Tag durchgegangen und hab mich kurzerhand entschlossen einen kurzen Schlenker westwärts zu machen, ehe ich mich dann endgültig gen Norden aufmache. Der nordseitige Umrundung des Östra Ringjön schließt dieses Vorhaben trotzdem weiter mit ein. So mache ich jetzt aber auf nach Hörby. Die Strecke ist schnell zurückgelegt, weshalb ich kurze Zeit später bereits im idyllischen Stadtkern Hörbys stehe.

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Wimmelbild für Anfänger in Hörby

Netterweise hat Hörby gleich zwei Supermärkte zu bieten. Einer davon mit einer riesigen Portion 80er Jahre Charme, der vor allem durch die schultergepolsterten braun-beigen 80er Jahre Uniformen der Mitarbeiter hervorgerufen wird. Die beiden jugendhaften Kollegen an der Kasse sahen auch nicht so aus, als wären sie überglücklich mit der „Kleiderwahl“, sodass ich auf ein Bild verzichtet habe. (Ein Grinsen konnte ich mir dennoch nicht verkneifen) Aber auch Restaurants (ne Pizzeria, na klar) und Cafés hat Hörby in vollem Umfang zu bieten. Daneben auch noch einen Euronics, aus welchem ich mir gleich mal ein paar neue Kopfhörer (Designed in Sweden) mitnehme.

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Da ich noch nichts zum Frühstück hatte, suchte ich mir gleich noch eine Gelegenheit Koffein konsumieren zu können und wurde in einer Seitenstraße vom Hauptplatz fündig. Dort steht nämlich der kleine Laden von Anki Köhn, der passenderweise auch gleich Ankis Hörna (Hörna = Ecke, Bereich) heisst. Dort bekommt man neben Kaffee (ca. 1€/Becher) hervorragende Sandwiches und Baguettes mit einer Vielzahl an hausgemachten Toppings. Wer also mal dort in der Gegend ist, sollte dringend dort vorbeischauen und sich ein Baguette mit Bacon/Schinken (=Skinka) besorgen. Wirklich hervorragend!

Mit Frühstück im Bauch geht es nun in Richtung Östra Ringjön, welcher auf weiten Teilen der Strecke nur zu erahnen ist. Ringsum sind nämlich Felder und Wälder die den ungetrübten Blick versperren. Die Straße indes ist unübersehbar und breitet sich vor mir aus, wobei sich diese langsam von geteert und asphaltiert …

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… zu Schotterpiste wandelt und sich streckenweise schnurgerade vor mir erstreckt. Der Sverigeleden -auf welchem ich mich gerade befinde- ist laut ADFC übrigens, „mit 2.590 km Haupt- und 3.400 km Nebenrouten der längste Radfernweg Schwedens und einer der längsten nationalen Routen Europas.“

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Am Wegesrand hat die Vegetation Himbeeren zu bieten. Da ich eh gerade gefrühstückt habe, lasse ich diese links (und rechts) liegen und lege stattdessen Strecke zurück. Bis zu den ersten Blaubeeren wird’s noch etwas dauern. Aber wir sind in Schweden. Die kommen noch!

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Bevor ich mich versehe endet der Weg. Anscheinend bin ich -ohne es wirlich zu wollen- vom Sverigeleden abgekommen und stehe plötzlich vor nem Gatter. Hier hieve ich mein Rad rüber und springe mehr oder minder galant hinterher. Auf der anderen Seite erwartet mich wieder ein wenig Weg, dem ich folge und wieder auf Asphalt lande. Nicht lange jedoch und ich stehe direkt in einem Naturpark. .. Genauer dem Fulltofta Strövområde Naturpark -so das Schild am Eingang. Restliche Infos dazu sind in schwedisch. Lediglich, dass auch ein Naturcenter in der Nähe sein soll kann ich entziffern, aber nirgends erblicken. Sei’s drum.

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Beste Gelegenheit für eine kleine Erkundungstour durch den Park, welcher im Grunde jäh endet. Mit dem Rad kommt man nicht wirklich weiter und soll man vermutlich auch garnicht.

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Hierauf komme ich aber erst, nachdem ich den viel zu schmalen Einstieg überquert habe. Andererseits ein toller Ort für ein kleines Päuschen. Das Wetter ist nämlich weiterhin superbe.

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Nachdem ich mich im Anschluss wieder aufmache gelange ich wieder an den Östra Ringsjön. Auf baden hab ich kein Bock, sodass ich mich gegen Mittag ums leibliche Wohl kümmer. Ein netter Platz ist gefunden …

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… und ein wenig Verpflegung hatte ich in Hörby mitgehen lassen. Darunter Cola, die ich nur des Namens wegen haben wollte und Bananen, die im Gesamtkontext hoher Lebensmittelpreise gesehen, relativ preiswert zu erstehen waren. Ich mache es mir am Ufer des Sees auf Höhe der Ortschaft Satofta gemütlich und beschäftige mich hierbei mit den Schwedischen Single Charts. „Lean On“ ist gerade auf Platz 5 oder 6 und bildet meine musikalische Unterhaltung nachdem mir Wellen und Wind nicht mehr genug Abwechslung bieten.

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Im Anschluss ist es circa halb vier. Ich beschließe heute Nacht nicht im Zelt zu pennen, sondern mir irgendwo ne Unterkunft zu besorgen. Da in Schweden generell das Thema Bed & Breakfast ein ganz großes ist, wenn man auf der Suche nach nem Schlafplatz ist, suche ich nach einem eben solchem. In der Nähe von Svalöv werde ich gegen Abend fündig und bekomme Zimmer und Frühstück bei Hanksville Farm. Der Besitzer spricht übrigens hervorragend Deutsch und Englisch und zu meinem Glück war just an diesem Tag der wöchentliche Grillabend. Alles richtig gemacht, also. Auch konnte ich gleich noch meinen Drang ausleben, mehr oder minder kuriose einheimische Getränke zu testen: festis steht diesmal auf der erlesenen Softdrink-Karte und entfaltet im Mund eine Mischung aus diesem grünen Mundspülwasser, vermischt mit Zucker und Sprite ohne Kohlensäure. Sehr eigen, aber kalt -wie so vieles- durchaus trinkbar!

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Der Tag endet, mit der Gewissheit, dass der Östra Ringsjön nun endgültig hinter mir liegt. Die nächste Station ist Örkeljunga, von wo aus ich dann noch ein kleines Stück weiter gen Norden fahre, ehe ich dann einen Schlenker westwärts einlege und die Südküste Schwedens hinabfahren werde. So long! Zu Teil IV