BURGFYR Fahrrad Reisebericht SCT: 600 km durch Schwedens Süden Teil II

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Vorwort: Mein Biketrip durch Schweden ist Routentechnisch relativ ungeplant. Die grobe Route ist definiert, wird aber tagesaktuell -nach List und Laune- nochmal angepasst. Zur Navigation dient mir Orux Maps. Strom liefert mir ein Nabendynamo sowie ein Akkupack, der hieran angeschlossen wird. Ist dieser voll aufgeladen, lade ich direkt mein Smartphone am Akkulader. Mein Fahrrad ist ausgestattet mit zwei BOBs, einer SLOTBAG Custom Build, einer FENDER sowie zwei Prototypen. (Mehr zu Ausrüstung und Equipment, hier.)

»Hier gehts zu Teil I

On the road again. Es ist immer noch relativ früh am Morgen, die Hälfte der Strecke nach Lund ist bereits zurückgelegt und ich fahre die vor mir liegende Wegstrecke im Kriechtempo entlang. Der Tag hatte nicht so wirklich schön gestartet: Mit dunklen Wolken, die aussahen, als würden sie jederzet ihre nasse Fracht loswerden wollen. Dankenswerterweise klarte es aber kontinuierlich auf. Schee. Beste Gelegenheit ein wenig der hiesigen Musik zu lauschen. Da ich zudem großer Fan der Fernsehserie „Vikings“ bin, höre ich mir -na, klar?!- das Debutalbum von „The Knife“ an (YT-Link).

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So circa zwischen dem zweiten und dritten Track, nichts ahnend und ohne böse Vorahnung, vernehme ich plötzlich ein Ächzen, Kratzen und Scheppern von Achtern, gefolgt von einem Tritt ins Leere. Huch?

Was war passiert? Nun, die Kette hatte ihren Dienst quittiert -ohne mir etwas zu sagen- und war rausgeflogen … dachte ich zumindest. Ich mach sie einfach wieder rein … dachte ich zumindest. Doch nichts da. Die Kette war gerissen. Blöd. So mitten im nirgendwo ist eine gerissene Kette nicht die schönste Morgenunterhaltung. Üblerweise kam hinzu, das sich die Kette blöd verwickelt hatte, sodass einige Kettenglieder nicht mehr richtig auf den Ritzeln bleiben wollten und ständig sprangen. Da ich keine komplette Ersatzkette dabei hatte, kürzte ich die Kette -um die beschädigten Kettenglieder- zusammen, sodass mir schlussendlich noch rund ein Drittel meiner Gänge übrigblieb. Das ermöglichte mir weiterzufahren. Da ich es nicht eilig hatte, blieb es bei Kriechtempo und The Knife. Den vierten Song von ihrem Album skippte ich dann trotzdem. 🙂

reperaturbedürftig

PS: Ich bin niemand, der es nicht ertragen könnte schmutzige Hände zu bekommen, aber klebrigen Ölschmierfilm von der Kette an den Händen zu haben und anschließend weiterzufahren ist nicht schön. Ich hab hierfür ein Paar Einweghandschuhe dabei, die natürlich nur dem Namen nach „Einweg“ sind und mehrfach verwendet werden. Weiterer Vorteil: Sie nehmen keinen Platz weg. Nur vor scharfkantigen Ecken sollte man sich hüten. (Glatt gesehen, dass dieses Utensil noch garnicht auf meiner Packliste vermerkt war!) Zudem hat man immer ein großes „Gummiband“ dabei. Wer sich keine Gedanken machen möchte,  holt sich einfach unsere 12G Werkzeugtasche (Link). Die beinhaltet alles, um auch die kaputteste Kette wieder zu flicken.

Übrigens hatte meine Panne doch etwas positives. Sie ist nämlich in der Nähe von Lund (ca. 10-12km entfernt) geschehen. Als Studentenstadt, gibt es hier in entsprechender Dichte Fahrradläden und so pedeliere ich zum ersten Fahrradgeschäft, dass mir vor die Augen kommt. Gute Idee. Zwar kann mir der ältere Herr, der gerade an einem Hollandbike schraubt keine neue Kette besorgen -lediglich bis 8 Gänge hat er welche da- doch kann er mich zu einem Shop im Zentrum Lunds verweisen, wo man mir weiterhelfen können soll.

Ich mache mich auf den Weg und folge der Wegbeschreibung, wobei meine Kette schon wieder stöhende Geräusche von sich gibt und munter auf den Ritzeln springt. Anscheinend hat auch das Kettenschloss gelitten. (Man errinere sich, an das ich das Kettenschloß aus Teil I ..) Seis drum, ich muss lediglich die „Clemenstorget“ (torget = Platz) runterfahren/-schieben und an der hiesigen Videothek vorbei. Diese passiert, steht man vor der Ladentür von „CykelCity.“ Schwerpunkt Rennräder. Im Laden: Dutzende Räder, unzählige Kisten voll mit Powerbar-Riegeln und ne gute Auswahl an Radklamotten sowie -natürlich- angeschlossener Werstatt. Insgesamt ein wirklich schöner, gemütlicher Laden mit wirklich sehr freundlichem Ambiente. Wäre es gleichsam ein Coffeeshop würde ich erstmal da bleiben.

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Ich bekomme zwar keinen Kaffee, dafür aber im Austausch von rund 280 Kronen eine neue Kette (da Rennradshop, natürlich keine Shimano HGX) und lasse bei der Gelegenheit gleich das Schaltseil, samt Arretierungsschraube des Umwerfers wechseln sowie meine Schaltung einstellen. Letzteres kostet mich umgerechnet nochmal rund 10€ (also rund 100 Kronen). Hätte es auch selber gemacht, aber mei: 100 Kronen für 20 Minuten Arbeit und Material sind in Schweden eher günstig und der gute Mechaniker sah ziemlich motiviert aus, sodass ich ihn in seinem Eifer nicht stoppen wollte.

Besagte Summe ärmer, kann ich mir nun Lund mal näher anschauen, wobei ich hier auf eine elends lange Übersicht, alter schon hunderte Male fotografierte Gebäude verzichten werde. Zusammengefasst wird Lund, seiner jahrtausenden alten „Studentenstadt“-Geschichte gerecht. Massig alte Straßenzüge sowie reich verzierte Gebäude und die Atmosphäre kann man nur als äußerst entspannt bezeichnen. Ein Blick rüber zu Googles Bildersuche sollte alle Sehenswürdigkeiten abdecken. Als Fahrradfahrer sollte man seine Panne deshalb gerne hier einplanen. 🙂

Von Lund aus soll es nun zum größten See der näheren Umgebung, dem Östra Ringjön gehen. Gleich daneben liegen mit Hörby und Höör gleich zwei größere Ortschaften, wobei groß natürlich wieder sehr relativ ist. Beide Ortschaften haben jeweils rund 8.000 Einwohner, verteilt auf knapp 10 km². Übrigens darf man in Schweden in Ortschaften ab rund 500-800 Einwohnern mit mindestens einem ICU-Supermarkt sowie einer Pizzeria rechnen. Pizza dürfte hier sowieso im Allgemeinen leichter zu bekommen sein, als irgendwo sonst auf der Welt. Abgsehen vielleicht von Neapel und selbst da bin ich mir mittlerweile nicht mehr ganz so sicher. Wer also -wie ich- nicht großartig Proviant mitschleppen will, suche sich eine Strecke, wo entsprechend „große“ Dörfer auf dem Weg oder zumindest nahe diesem liegen. Jetzt aber verlasse ich Lund erstmal in Richtung Revingeby.

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Die Strecke ist relativ monoton und auch die Durchfahrt durch die Peripherie von Revingehed, einem Truppenübungsplatz ist nicht so wirklich, vom Hocker hauend. Vermutlich kann man auch nur eine gewisse Zeit des Tages damit verbingen, mit dem Panzer irgendwo langzurollen. Spektakuläres tut sich mir also nicht auf. Das Wetter indes ist super, sodass auch die restlichen rund 18 km an den Östra Ringjön schneller hinter mir liegen, als ich ABBA hätte sagen können. Naja, gefühlt zumindest. Übrigens überquere ich bei dieser Gelegenheit gleich mal die E22, die mit über 5.000 km, eine der längsten Europastraßen darstellt und erst in Russland endet.

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Zwischen Lund und Östra Ringjön

Am Östra Ringjön angekommen suche ich nach einem netten Badeort, werde fündig und springe gleich ins kalte Nass. Ein Campingplatz weiter den See entlang sichert mir gegen ein wenig Zeltplatzgebühr Strom und vor allen Dingen eine Dusche.

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Zeit nun, den Abend mit einem waschechten Siegerabendessen ausklingen zu lassen. Nunja, oder mit übrig gebliebenen Resten. Nebenbei bemerkt, gibt es eine relativ preiswerte Powernahrung in Form von Tunnbröd. Dieses an Tortillas errinernde Brot ist fluffiger und süßer, als besagte Teigware aus Mexiko und kann problemlos auch so gemampft werden. Oder man rollt klassisch irgendetwas hinein. Weiterer Vorteil -neben dem, dass man es praktisch überall bekommt- ist natürlich, dass es weniger Platz als etwa ein ausgewachsenen Brot wegnimmt bzw. flexibler verstaut werden kann.

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Fast am Ende des Tages angekommen ist es nunmehr 23:30 Uhr, ich war über 16 Stunden auf den Beinen und konnte neben ein bisschen Sightseeing auch ein wenig zurückgelegte Strecke verbuchen, die mich nun im weiteren Streckenverlauf eher in dünner besiedelte Gegenden Schwedens führen wird. Zeit also erstmal für ein wenig Nachtruhe, ehe wir morgen den Östra Ringjön auf der Nordseite umkreisen.

Stay tuned! Zu Teil III