BURGFYR Fahrrad Reisebericht SCT: 600 km durch Schwedens Süden Teil I

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Vorwort: Mein Biketrip durch Schweden ist Routentechnisch relativ ungeplant. Die grobe Route ist definiert, wird aber tagesaktuell -nach List und Laune- nochmal angepasst. Zur Navigation dient mir Orux Maps. Strom liefert mir ein Nabendynamo sowie ein Akkupack, der hieran angeschlossen wird. Ist dieser voll aufgeladen, lade ich direkt mein Smartphone am Akkulader. Mein Fahrrad ist ausgestattet mit zwei BOBs, einer SLOTBAG Custom Build, einer FENDER sowie zwei Prototypen. (Mehr zu Ausrüstung und Equipment, hier.)

Teil I) Anderthalb Wochen Schweden. Mit dem Rad. Das bedeutet in meinem Fall zunächst ein Mal: Früh aufstehen. Die Fähre wartet nicht und legt pünktlich und unerbittlich um 10:00 Uhr im Hafen von Travemünde ab. Der Check-In Prozess startet zwei Stunde vor Abfahrt und ist im Grunde eine Stunde später -um 9:00 Uhr- bereits geschlossen. (Wer übrigens seine Handynummer angegeben hat, bekommt einen telefonischen Reminder, sollte man sich noch garnicht gezeigt haben.) Zum Hafen selbst kommt man ziemlich gut mit der Bahn. Ab Hamburg fährt etwa der Regionalexpress fast im Stundentakt nach Lübeck, sodass ich hier relativ viel Flexibilität genieße. Am Lübeck Hauptbahnhof angekommen, verlasse ich diesen sogleich und strebe gen Travemünde. Die letzten rund zwanzig Kilometer zum Hafen lege ich nämlich gleich via Rad zurück. Ein wenig Energie loszuwerden, bevor neun Stunden Zwangspause drohten, ist sicherlich nicht verkehrt. Jedoch kann auch hier eine weitere Bahn genommen werden, die Sack und Pack direkt nach Lübeck-Tavemünde bugsiert. Die Bahnstrecke verläuft dabei teilweise sogar am Bikepfad entlang.

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Übrigens: Wer mit der Fähre nach Schweden rübersetzen möchte, hat die Auswahl zwischen zwei Fährgesellschaften: TT-Lines und Finnlines. Ich entscheide mich für letztere. Jedoch nur aus Gründen der Gewohnheit. Preislich nehmen sich die vermutlich nicht so arg viel. Finnlines nimmt etwa für die einfache Strecke rund 25-30€. Wer keine Kabine dazubucht, kann es sich auf/unter dem Deck gemütlich machen.

Die komplette Überfahrt dauert, wie gesagt, geschlagene neun Stunden, wobei das Schiff mit rund 13-15 Knoten durch die Ostsee schippert. Ich gedenke mit ebooks und mp3s der Langeweile vorzubeugen. Schiffsaktivitäten wären ein Whirpool, ein Duty-Free Shop und ein Kaffeeautomat. An letzterem prangte an diesem Morgen jedoch ein „Out of Order“-Schild, womit 1/3 der „Freizeitaktivitäten“ gleich wegfielen. 🙂 Die Überfahrt ist ansich auch relativ unspektakulär und geht u.a. an einer Kalksteinformation und einem Schloß (dessen Name mir zwischenzeitlich wieder entfallen ist) vorüber.

Die übrige Zeit ist durch das unendliche blaugrau der Ostsee gekennzeichnet. Auf der Hinfahrt hatte ich keine Kabine, deshalb machte ich es mir auf dem Deck der Nordlink -so de Name der Fähre- auf einer der Sonnenliegen bequem und las den Dunklen Turm Zyklus weiter. (Roland und seine Gefährten durchquerten gerade eine Wüste … Wie passend.) Unterbrochen nur von ein paar Pärchen und Reisenden, die gerne vor Kalksteinen oder Brücken abgelichtet werden wollten und einen Fotografen suchten. Viel war an dem Tag nicht los und ein weitere Biker, der Richtung Norwegen unterwegs war, sah deutlich geschafft aus und verschlief gleich die gesamte Überfahrt. Gut, für ihn.

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Auslaufen aus Travemünde

Doch irgendwann neigen sich auch die zähesten neun Stunden dem Ende und das Schiff näherte sich langsam Malmö. Dies merkt man spätestens daran, dass man die ewig lange Öresundbrücke unterquert. Dort schiebt sich der Verkehr in langen Schlangen rüber, wobei unterhalb die Eisenbahn vorbei rattert. Dann drängt sich am Horizont auch schon beharrlich die einzig wirkliche Landmarke Malmös in den Vordergrund. Der rund 200 m hohe Turning Torso. Ein geschwungener Wolkenkratzer, der das restliche Stadtpanorama deutlich überragt. Die vielen Baustellen in Malmö verheißen aber, dass der Turning Torso nicht das einzige Gebäude bleiben soll, dass in Zukunft an den Wolken kratzen soll. Denn Malmö boomt und ist -abgesehen vielleicht vom direkten Hafenumfeld- eine sehenswerte Stadt und sicherlich auch Mal einen kurzen Städtetrip wert.

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Einlaufen nach Malmö

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Leider kein Scania. Übrigens: Besonders bei Regen sollte man die Laderampe nicht zu unbedarft hinunterradeln: Rutschgefahr.

 

Doch hieran verschwende ich nun keinen weiteren Gedanken. Bei Einlaufen in den Hafen ist es 19:00 und gegen 19:10 Uhr dürfen die paar mitgreisten Radler und Backpacker auch von Board. Ich checke letztmalig mein Bike und bemerk eher beiläufig, dass mein Kettenschloss ein wenig steif geworden ist. Darum soll sich aber mein Zukunfts-Ich kümmern. Ersatz hab ich ja dabei. Ich beschließe auf jeden Fall nicht in Malmö zu bleiben, sondern mich langsam in Richtung Bara aufzumachen, um dann in einer Schleife Richtung Lund zu fahren. Der Plan geht so halbwegs auf. Die Tour durch die Stadt dauert doch etwas länger als Anfangs gedacht, sodass es bereits dämmert, als ich irgendwo in Bara bin. Auf meinem schmalen Weg komme ich an vereinzelten Höfen vorbei und entspanne bei den letzten Sonnenstrahlen des Tages.

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Es wird dunkler und dunkler, Müdigkeit macht sich breit und es wird Zeit eine geeignete Campingstelle zu finden. Ich werde fündig und baue mein Zelt bei eintretender Dunkelheit auf. Kurz wundere ich mich noch, dass dort ein öffentlich zugängliches, komplett eingerichtetes Bad steht.

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Egal, ich schließe mein Akkupack an die netterweise vorhandene Steckdose an, verkrieche mich ins Zelt und schlafe relativ rasch ein. Die Nacht verläuft relativ ruhig und kaum hatte ich micht hingelegt, bricht -gefühlt- auch schon der nächste Morgen an. Der Tag startet nämlich relativ früh, sodass ich bereits um 7:00 Uhr beim Frühstück sitze. Glücklicherweise hatte ich am Tag zuvor -und bevor ich das Stadtgebiet Malmös gänzlich verlassen hatte- noch bei einem ICA Supermarket (der Rewe/Real/Edeka Schwedens) gehalten und mich dort mit Kanelbullar und Kakao eingedeckt, die ich jetzt verspeise und mich bei der Gelegenheit, gleich mal etwas auf meinem Zeltplatz umschaue.

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Hinter mir erhebt sich ein Hügel, welchen ich hochsteige und verwundert feststelle, dass sich meine Schlafgelegenheit als angehender Golfplatz herausstellt. Obgleich, es in Schweden nicht unüblich ist, öfters Mal über einen Golfplatz, samt Golclub zu stolpern, wie ich später noch herausfinden werde. Anscheinend jedoch befindet sich der Golfplatz gerade noch „im Bau“, weshalb ich ein paar Kronen -für Strom und Wasser- zwischen die Tür klemme und mich von dannen mache. Im Nachhinein, habe ich herausgefunden, dass der Platz vermutlich zum Bokskogens Golfklubb gehört. Also, danke (tack) nochmal für die schöne Wiese sowie den den Blick auf den See! Übrigens sind mitten in der Nacht die Rasensprenger losgegangen. Glücklicherweise zehn Meter weiter neben mir.

Von Bara soll es nun ins rund 17 km entfernte Lund gehen, von wo aus die Route dann in den Norden führen soll. Dazu dann mehr in Teil II. Werft währenddessen einen Blick in den BURGFYR SHOP!

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